little book of love and other drugs

Wieso starrt es mich an? Es starrt mich unentwegt an. Durchgehend. Die Farben, die vor wenigen Minuten noch grell, leuchtend, verwirrend und sich bewegend waren, verblassen. Rot wird zu Orange und verschwindet. Blau wird zu Lila und verschwindet. Die Musik wird leiser. Entweder falle ich gerade in Onmacht oder das Konzert ist vorbei, was mir im Nachhinein unlogisch erscheint, da die Musik auf einem Konzert eigentlich nicht leiser wird, sondern ruckartig aufhört. Unwichtig. Es starrt mich an. Große, blaue, bis auf die Pupille erweiterte Augen starren mich an. Seit circa zehn Minuten. Entweder bin ich einfach zu besoffen um wegzuschauen oder ich falle, wie zuvor vermutet tatsächlich in onmacht. Die Farben sind wieder da. Bewegen sich. Immer mehr und mehr. Werden bunter und bunter. Die Farben kreisen, und die Augen gleich mit. Ich fange an zu tanzen. Ich muss den Verstand verloren haben. Die Menschenmenge, in der ich stehe, oder vermute zu stehen, scheint sich auch zu drehen. Wie ein riesiger Ball. Mein Mund öffnet sich, und es sprudeln Sätze in einem Wasserfall aus Worten in den Ball. Meine Selbstkontrolle ist ausgelöscht. Ich lasse mich einfach treiben, ich lasse alles passieren, ohne mich im geringsten zu wehren...

Ich bin Daria, 17 Jahre alt, bin Verhaltensgestört und Realitätsfern. So stelle ich mich gerne in den unterschiedlichsten Kliniken vor, in denen ich schon war. Psychatrie, Entzugsklinik...die Liste ist lang. In den mehr oder weniger vielen Jahren, die ich mehr oder weniger gelebt habe, gab es einen Psychologen, Pat Dawnson hieß er, der mein wahres Problem erkannt hat. Ich bin und war nie Verhaltensgestört, meinte er, ich war und bin zu intelligent. Ich denke zu viel nach. Zu viele Gedanken, auf einem zu hohen Gedankensniveau. Meine Einstellung zur Welt ist in ein Paar Worten ganz leicht zu erklären. Sinnlosigkeit, zu hoher Zwang der Gesellschaft und und und. Wieder eine lange Liste. Realitätsfern bin ich eigentlich nur auf Heroin, ist ja normal. Es fragte mich einmal eine unsicher und neu wirkende Psychologin in einer Klinik für Realitätsverlust, ob ich ein Drogenproblem hätte. Ich lacht laut in ihr hässliches Gesicht, spuckte sie an und rann weg. Weg von all den sinnlosen Fragen, von nichts taugenden Psychiatern, weg von Eltern, die keine Eltern sind, einfach weg. ''WEG VON ALL DEM SCHEISS!'' , waren meine letzten Worte gewesen, bis mich jemand nach circa einem Monat wiederfand. Ich lag in einem verwarlosten Club in München. Bedeckt von Kotze. Ob es meine war, weiß ich nicht mehr. Ich weiß rein garnichts mehr aus dieser Zeit. Alles verschwand in aus meinem Gehirn. Das ist eigentlich nicht schlimm, wenn man bedenkt, wie viele meiner Vorhandenen Gehirnzellen verstopft ist mit Erinnerungen. Erinnerungen an Drogenexzesse und Prügeleien, Alkoholrausch und rasanter Absturz. Nach einem Jahr in der geschlossenen Abteilung einer Psychatrie nahe Berlin, entließen sie mich aufgrund meiner Besserung. Idioten, dachte ich damals und das muss ich heute immer noch denken. Ich war nie geheilt und werde es so schnell auch nicht mehr sein. Alles fing an...nein ich fange lieber mit einem Halbherzigen 'es war einmal ' an. Klingt dramatischer, auch wenn die Dramaturgie dieses Satzes doch eher Relativ ist. Egal. Alles fing an als mein Vater sich und meine Mutter tötete.

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